Stellungnahme von MandrivaUser.de
Erstellt von wobo am 30 Jun 2009 | Kategorie: Mandriva Assembly, MandrivaUser |
Stellungnahme von MandrivaUser.de zu den Vorgängen anlässlich des deutschen Linuxtages 2009
Das Verhalten des Unternehmens Mandriva gegenüber der deutschen Benutzergemeinschaft MandrivaUser.de sowie gegenüber deren Administrator veranlasst uns zur Herausgabe dieser Stellungnahme. Diese Stellungnahme geht an folgende Empfänger:
- Internationales Mandriva Forum (in Englisch)
- Distrowatch (Englisch, auf Anfrage des Betreibers)
- LinuxUser (auf Anfrage eines Redakteurs)
- ProLinux (auf Anfrage des Betreibers)
- freies magazin (auf Anfrage des Chefredakteurs)
Folgende Personen werden diese Stellungnahme per Mail erhalten:
- Hervé Yahi (CEO Mandriva)
- Anne Nicolas (Technische Direktorin Mandriva)
- Vanessa Wall (Kommunikationsmanagerin Mandriva)
Zeitleiste der Vorgänge:
Nov. 2008 –> Anfrage von Mandriva (Vanessa Wall), ob wir bei der Planung und Durchführung des Messeauftritts helfen könnten.
Jan 2009 – März 2009 –> Erstellung der Kalkulation, Erklärung der Optionen, Hinweis auf den Verzicht von MU.de auf einen eigenen Stand
Anfang April 2009 –> persönliches Gespräch in Paris mit Bestätigung der Kostenübernahme für wobo und der Notwendigkeit der Hilfe durch MU.de. Anschließend erfolgte die offizielle Bestellung des Standes durch Mandriva bei der Messe Berlin.
April – Mitte Juni 2009 –> wiederholte Nachfragen von wobo, ohne Antwort oder mit Versprechen einer Antwort, die aber nie eingehalten wurden
15.06.09 –> 8 Tage vor Beginn des Events hat Mandriva immer noch keinerlei Informationen über den Stand oder geplante Aktionen oder über die Hotelreservierung geschickt. Auf eine erneute Anfrage beschwerte sich Vanessa Wall über die Belästigung und verbat sich diese “ärgerlichen Mails”. Sie werde sich schon melden, wenn es Neuigkeiten gäbe. Danach gab es keine Kommunikation mehr bis zur folgenden Absage.
19.06.09 –> Absage per Mail von Mélody an wobo und Messe Berlin, in der auf 2 Zeilen stand, dass der CEO einen Unfall hatte und man nicht kommen könne. Nino Grüttke von Messe Berlin bestätigte, die gleiche Mail erhalten zu haben.
19.06.09 –> Telefonat mit Anne Nicolas mit dem Angebot der “Stellvertretung” durch MU.de. Anne Nicolas versprach, das bis zum nächsten Tag zu entscheiden.
20.-21.06.09 –> Kein Kontakt.
22.06.09 –> Ultimatum für 14:00 Uhr an Mandriva von der Messe Berlin, nochmalige Nachfrage von wobo an Anne Nicolas und Vanessa Wall
22.06.09 –> Mail von Messe Berlin an Mandriva mit der Bitte um eine offizielle Stellungnahme zur Weitergabe an die Presse.
22.06.09 15:00 Uhr –> Mitteilung von Nino Grüttke, dass Mandriva sich nicht gemeldet hat und der Platz nun an 2 freie Projekte vergeben wird.
22.06.09 ca. 16:00 Uhr — > Mail von Vanessa Wall an Messe Berlin mit der Wiederholung der Begründung (Unfall des CEO), keine sonstige Stellungnahme.
22.06.09 ca. 16:00 Uhr — > Mail von Vanessa Wall an wobo, Beschwerde über das unfaire Verhalten von wobo, er habe durch seinen Beitrag über die Absage im internationalen Forum all diesen Aufruhr verursacht.
Danach gab es keinerlei Kontakt mehr zwischen MU.de/wobo und Mandriva oder Messe Berlin und Mandriva.
Einige Anmerkungen:
Während der Vorbereitungszeit (Anfang 2009) wurde mehrfach von Seiten Mandrivas betont, dass Mandriva auch auf die Hilfe von wobo und anderen Mitgliedern von MU.de am Stand in Berlin zurückgreifen möchte. Es war Mandriva bewusst, dass MandrivaUser.de auf einen eigenen Stand verzichtete um sich ganz auf die Hilfe für Mandriva konzentrieren zu können. Diese Äusserungen beweisen, dass diese Punkte von Mandriva sehr wohl verstanden wurden und es keinerlei Missverständnis aufgrund der Fremdsprache gab.
Während der gesamten Zeit vom ersten Kontakt bis zur Absage war nie die Rede davon, dass der CEO plante, an der Messe teilzunehmen. Man sollte doch annehmen, dass ein solcher Plan dem Hauptkontakt in Deutschland (wobo) mitgeteilt worden wäre.
Man sollte auch annehmen, dass ein Unternehmen, das einen Auftritt auf einem Großereignis in Europa vorhat, eine Menge Planung vornimmt und darüber auch den deutschen Helfer informiert. Aber anstatt zu informieren wurde sich über “ärgerliche Mails” beklagt. Noch ärgerlicher war allerdings, dass kein einziges Versprechen einer Erwiderung der Mails eingehalten wurde – nicht ein einziges.
Sogar das Angebot der deutschen Community, Mandriva aus der Situation zu retten und den Stand zu betreiben, wurde ignoriert, nicht einmal kommentiert oder abgelehnt. Das Ergebnis war, dass Mandriva trotz Kosten in Höhe von 4.200 Euro weder selbst noch durch uns vertreten war und auch die Community keine Chance hatte, sich zu zeigen.
Maßnahmen
Zunächst stellen wir fest, dass unsere Reaktion auf diese Vorgänge nichts mit der Absage des Messeauftritts oder den Gründen für diese Absage zu tun haben. Beides sind Punkte, die nur Mandriva zu vertreten hat und bei denen uns kein Urteil zusteht. Diese Stellungnahme sowie die folgenden Maßnahmen von unserer Seite beziehen sich einzig und allein auf die Art und Weise, wie mit uns als hilfsbereiter Community umgegangen wurde. Insbesondere das Verhalten gegenüber wobo als Repräsentant dieser Community kann nicht mehr akzeptiert werden.
Die Überlegungen zu unserer Reaktion auf das Verhalten von Mandriva unterlagen von Anfang an folgenden Kriterien:
- durch unsere Maßnahmen darf den deutschen Benutzern kein Nachteil entstehen.
Rückzug aus Übersetzungsarbeiten oder gar die Schließung von MU.de waren also Punkte, über die diskutiert wurde, die aber nicht als sinnvolle Maßnahme befunden wurden. - die Maßnahmen müssen so gestaltet sein, dass sie von Mandriva wahrgenommen werden.
- die Maßnahmen müssen so kommuniziert werden, dass sowohl Mandriva als auch die Öffentlichkeit versteht, dass sich diese Maßnahmen nicht gegen die Community und nicht gegen die Distribution, sondern einzig und allein gegen das Unternehmen Mandriva richten.
Wir, die Community MU.de, sowie die entsprechenden einzelnen User, werden in der Zukunft weiterhin
- das Projekt MandrivaUser.de betreiben, zur Verfügung stellen und erweitern, inklusive unseres RPM-Repositorys, des regelmäßigen Community-Magazins und anderer Aktivitäten.
- den offiziellen Mandriva-Mirror unterhalten.
- die Verbreitung von Mandriva Linux in Deutschland durch die Teilnahme an Events (FrOSCon, Chemnitzer Linuxtage, Linuxtag in Berlin) fördern.
- die bisherige Übersetzungstätigkeit (i18n, Mandriva Wiki) fortführen.
Wir werden aber
- nicht weiterhin als deutsches Forum innerhalb des auf der Website des internationalen Mandriva Forums sichtbaren Kreises der weltweiten Mandriva Communities sichtbar sein.
Der Webmaster von http://forum.mandriva.com wird hiermit aufgefordert, den entsprechenden Link im Header des Mandriva Forums unverzüglich zu entfernen. Durch diese Maßnahme zeigen wir, dass wir MandrivaUser.de nicht mehr als Teil der Regionen des Mandriva Universums sehen, den das Unternehmen kontrolliert. - nicht weiterhin in der Mandriva Assembly vertreten sein. Mit sofortiger Wirkung legt wobo seine Tätigkeit als Repräsentant der deutschen Community in der MUGs-Gruppe nieder, es wird auch kein Ersatz benannt.
Es hat sich, unabhängig von den hier behandelten Ereignissen, gezeigt, dass Mandriva in dem Projekt Assembly offensichtlich wenig Interesse daran hat, einen wirklich gleichwertigen Dialog auf gleicher Augenhöhe zu führen, hingegen nur auf die einfachere Erfüllung der eigenen Vorstellungen und Vorhaben abzielt. Daher sind wir der Meinung, dass den deutschen Benutzern kein Schaden durch diesen Rückzug aus der Assembly entsteht. - keine Vorhaben in Deutschland mehr mit Mandriva planen oder dabei unsere Hilfe anbieten.
Wir werden, wie oben erwähnt, definitiv an Events teilnehmen, aber selbständig als MU.de, nicht in Verbindung mit Mandriva. Sollte Mandriva für 2010 eine Teilnahme am Linuxtag in Berlin planen, so werden wir das auf Anfrage unterstützen, aber nur wenn wir außerhalb unseres eigenen Standes noch Ressourcen übrig haben. - die Kommunikation mit Mandriva von unserer Seite aus auf die normalen Fälle beschränken, wo ein normaler User mit seinem Distributor kommunizieren muss.
Sollte Mandriva mit einem Anliegen an uns herantreten, so werden wir hören und das diskutieren. Wir garantieren aber nicht, dass wir antworten werden.
Kurz zusammengefasst:
Mandriva Linux (die Distribution) und die Unterstützung der deutschen Benutzer – ja, mit der gleichen Überzeugung wie bisher!
Zusammenarbeit mit Mandriva, dem Unternehmen – nein.
Alle Punkte dieser Stellungnahme wurden in einem Diskussionsthread im Forum von MU.de öffentlich herausgearbeitet und diskutiert. Dieses Forum ist für jeden lesbar, alle registrierten Benutzer konnten an der Diskussion teilnehmen. Es handelt sich also bei dieser Stellungnahme um einen von Anfang bis zum Ergebnis öffentlichen und transparenten Vorgang.
Im Namen der unabhängigen deutschen Usercommunity
MandrivaUser.de
wobo
Admin MandrivaUser.de

Zitat: “Alle Punkte dieser Stellungnahme wurden in einem Diskussionsthread im Forum von MU.de öffentlich herausgearbeitet und diskutiert. Dieses Forum ist für jeden lesbar, alle registrierten Benutzer konnten an der Diskussion teilnehmen. Es handelt sich also bei dieser Stellungnahme um einen von Anfang bis zum Ergebnis öffentlichen und transparenten Vorgang.”
Der dazu verlinkte Diskussionsthread (schreckliches Wort) zeigt leider nicht wie ‘öffentlich herausgearbeitet und diskutiert’ wurde. Waere es nicht besser auf http://www.mandrivauser.de/viewtopic.php?id=25899 (Massnahmen gegenueber Mandriva) zu verlinken?
Nein. Die Diskussion über die Entstehung des Statements beinhaltet alle Ideen, die dort geäussert wurden. Diese Diskussion diente der Entscheidung, ob überhaupt solche ein Statement angefertigt werden soll und was darin stehen sollte.
Nun ist das Statement fertig und diese Diskussion abgeschlossen. Ab jetzt kann über das Statement selbst diskutiert werden, wenn Bedarf besteht. Dazu dient der verlinkte Thread.
Ich finde diese Maßnahme völlig gerechtfertigt!
Ich bin zwar kein Mandriva User, aber ich habe die letzten Tage diese Geschichte verfolgt und finde eure Aktion völlig gerechtfertigt. Das Verhalten das Mandriva gegenüber der Deutschen Community gezeigt hat, ist in keinster Weise zu entschuldigen. Da wäre eine Erklärung von Mandriva fällig, aber ich denke mal die werden sie der Community wahrscheinlich auch schuldig bleiben.
gruss
delta544
Das wird den Mandriva-Managern in Paris alles wahrscheinlich herzlich egal sein, die französische Community wird sich mit Sicherheit von euch distanzieren (bzw. euch vielleicht sogar zu den ganz “Bösen” machen).
Die restlichen Mandriva-User weltweit werden mehr oder weniger schweigen – und zwar selbst dann, wenn sie Sympathien für euch empfinden oder eure Schritte insgeheim doch zumindest nachvollziehen können.
Ein letztes zu der langen Erkläung von euch hier, nämlich ein Zitat von Heine, der ja (wie es der Zufall manchmal so will) auch eine ganz besondere Beziehung zu Paris und Frankreich hatte:
“Der Brief, den du geschrieben,
er macht mich gar nicht bang;
Du willst mich nicht mehr lieben,
aber Dein Brief ist lang.
Zwölf Seiten, eng und zierlich!
Ein kleines Manuskript!
Man schreibt nicht so ausführlich,
wenn man den Abschied gibt.”
(Heinrich Heine)
sowas kann die Linux Welt brauchen, mal sehen wie es tatsächlich weiter geht.
@udo danke für heine
Ich finde diese Stellungnahme vollkommen in Ordnung.
Hingegen dem “Heineabschied” ist es hier nur eine (begründete) Distanzierung von dem Unternehmen, kein Abschied von dem Derivat.
Konsequenzen folgen lassen, war der einzig wahre weitere Weg und den seid ihr gegangen.
Weiter so, niemand muss sich auf der Nase rumtanzen lassen…
Hallo Community,
ich würde ebenfalls sagen, nur soviel Kontakt, wie unbedingt notwendig aufrecht
erhalten. Irgendwann kommen die schon wieder, wenn Sie was von *Euch* haben wollen.
Spätestens bei der nächsten Ausgabe der neuen Powerpack Distribution möchten Sie
Eurer Geld….
Dann solltet Ihr klug entscheiden
Digimaster
[...] MandrivaUser.de sind sauer [...]
Mandriva ist klasse. Zumindest das Betriebssystem. Mandriva das Unternehmen, ist wiederum
eine ganz andere Geschichte. Für ein börsennotiertes Unternehmen ist es zwar logisch daß
es sich in erster Linie auf das konzentriert was komerziell eine Sinn ergibt. Nur müßte den Herrschaften in Paris auch klar sein, daß wenn zum Beispiel die französische Gendarmerie im Moment von Windows auf Ubuntu umrüstet, das wohl keine sehr gute Werbung
für Mandriva bedeutet. Mandriva müsste sich mehr um den normalen User bemühen, denn vielleicht wird daraus irgendwann ein zahlender Kunde.